32 Jahre Psych-Cup
Wenn Fußball Menschen zusammenbringt
Bremerhaven. Wie bekommt man die Tore zum Spielort? Kriegt man genügend Spieler*innen zusammen? Wer kümmert sich um Essen und Getränke? Und wo bekommt man all die Dinge her, die man für einen solchen Tag braucht? Ein Fußballturnier auf die Beine zu stellen, klingt vielleicht erst einmal nach einer überschaubaren Aufgabe. Ein Platz, ein paar Mannschaften, Tore und ein Ball – fertig. Wer den Psych-Cup kennt, weiß: Ganz so einfach ist es nicht. Am 26. August 2026 wurde das Turnier bereits zum 30. Mal ausgetragen. Seit 1994 kommen Menschen aus Einrichtungen der psychosozialen Unterstützung verschiedener Träger aus Bremerhaven und der Region zusammen, um gegeneinander Fußball zu spielen.
32 Jahre Psych-Cup
Bevor der erste Ball rollt, müssen eben nicht nur Mannschaften zusammengestellt werden. Es müssen Spielpläne geschrieben, Verpflegung organisiert, Material besorgt und viele kleine Probleme gelöst werden. Dass der Psych-Cup auch nach der Corona-Pandemie weiterging, war deshalb keine Selbstverständlichkeit.
Entstanden ist das Turnier vor 32 Jahren auf private Initiative eines Arztes. Seitdem hat es sich zu einer festen Tradition entwickelt. Einer der Menschen, die den Psych-Cup über viele Jahre begleitet und mitorganisiert haben, ist Erwin Trettin. Gemeinsam mit zahlreichen weiteren Helfenden sorgt er dafür, dass der Psych-Cup Jahr für Jahr stattfinden kann. „Für die Menschen mit Unterstützungsbedarf und schwierigen Lebenslagen, die in den psychiatrischen Einrichtungen betreut werden, ist der Psych-Cup ein ganz wichtiger Schritt zur Entstigmatisierung“, erklärt Trettin. Aus einem Fußballturnier wird so ein Tag der Begegnung – und manchmal auch ein kleiner Schritt aus der eigenen Komfortzone. Für manche ist der Psych-Cup deshalb längst ein fester Termin im Kalender. „Ich hätte früher nicht gedacht, dass ich mal bei einem Fußballturnier vor so vielen Leuten spiele“, erzählt ein Teilnehmer, der in diesem Jahr für AWO Bremerhaven auf dem Platz stand. Einen wichtigen Beitrag zur Finanzierung leistete in diesem Jahr erneut die großzügige Spende der Aktion „Hilfe für Mitbürger Bremerhaven“.
Mehr als ein Fußballturnier
Auf dem Rasen verschieben sich die Rollen des Alltags für einen Moment. Die Mannschaften der verschiedenen Träger treten gegeneinander an, pro Team dürfen maximal zwei Betreuerinnen mitspielen, der überwiegende Teil der Spielerinnen sind Leistungsberechtigte. Jetzt zählt zunächst der nächste Pass, der Zweikampf und natürlich das nächste Tor.
Und davon gab es auch bei der 30. Ausgabe wieder einige. Die Seitenlinie wurde zur Fantribüne, Chancen wurden bejubelt, vergebene Möglichkeiten bedauert und um jeden Ball gekämpft. Mit der ganz großen Fußballtaktik hatte das vielleicht nicht immer etwas zu tun – mit Freude am Spiel dafür umso mehr. „Taktik haben wir auch. Die funktioniert nur nicht immer“, sagt Matthias Matthiessen von der AWO Bremerhaven mit einem Augenzwinkern.
Ein Tag für die Gemeinschaft
Für Menschen, die im Alltag mit psychischen Belastungen leben, kann der Schritt auf einen Fußballplatz etwas Besonderes sein. Hier geht es für einen Nachmittag nicht um Unterstützungsbedarf oder die Rolle im Hilfesystem, sondern um den nächsten Pass, das nächste Tor und die eigene Mannschaft. „Beim Psych-Cup geht es natürlich um Fußball. Aber mindestens genauso wichtig ist, dass Menschen rauskommen, andere treffen und gemeinsam etwas erleben. Das ist gerade für Menschen mit psychischen Belastungen nicht selbstverständlich“, sagt Oliver Schau. Wer mitspielen möchte, spielt. Wer lieber zuschaut oder anfeuert, ist genauso willkommen.
Gewinnen wollen die Mannschaften natürlich trotzdem. Aber der Psych-Cup hat schon immer eine zweite Tabelle gehabt, die mindestens genauso wichtig ist: die der Fairness. Deshalb wird neben dem Wanderpokal auch ein Fairnesspokal vergeben. Denn beim Psych-Cup geht es nicht nur darum, wer gewinnt, sondern auch darum, wie miteinander gespielt wird.
Am Ende zählen Tore und Erinnerungen
Zum 30. Jubiläum waren 10 Mannschaften dabei. Rund 120 Teilnehmende erlebten einen Tag mit Fußball, Begegnung und Gemeinschaft. Den Wanderpokal holte sich das Klinikum Reinkenheide, der Fairnesspokal ging an das Deutsche Rote Kreuz. Erstmals wurde ich in diesem Jahr auch der herausragende Spieler bzw. die herausragende Spielerin mit einer Urkunde ausgezeichnet. Am Ende wurden die Trikots wieder ausgezogen, die letzten Bälle eingesammelt und die Pokale übergeben. Ein langer Fußballtag ging zu Ende. Für einen Teilnehmer steht allerdings schon fest, wie es weitergeht: „Nächstes Jahr bin ich wieder dabei. Wenn die mich noch nehmen.“ Nach 32 Jahren Psych-Cup dürfte daran wohl kein Zweifel bestehen.


